Jeden Abend kommen wir an denselben Hof zurück, in dieselbe Einfahrt, zu denselben zwei Gesichtern. Fünf Nächte lang ist die Corte Casella unser Ausgangspunkt — und der Grund, warum wir morgens nie pünktlich losfahren.

Die Corte Casella liegt in Bagnolo San Vito, ein paar Kilometer südlich von Mantova, dort wo die Ebene nichts mehr verbirgt. Ein Familienhof seit 1973: erst Milchkühe für den Grana Padano, dazu Getreide und Futter. Seit 2003 dann auch Zimmer in den alten, hergerichteten Gebäuden. Sara und Max führen die Gastfreundschaft, und vom ersten Abend an behandeln sie uns, als kämen wir zurück, nicht an.

Sara backt jeden Morgen einen anderen Kuchen, und wir dürfen probieren, bis das Entscheiden schwerfällt. Mein Favorit ist der Apfelkuchen, Filip hält es mit der Schokolade. Dazu: frisch gebackenes Brot, Grana Padano — die Milch dafür geben die Kühe, an denen wir tags zuvor vorbeigefahren sind —, frisch aufgeschnittene Salumi, gekochter Schinken, ein Cappuccino, der keinen zweiten nötig macht. Wir nehmen trotzdem einen.

— Der Frühstückstisch, kurz nach acht
Saras Kuchen, jeden Morgen ein anderer. Der Apfelkuchen verschwindet zuerst.

— 02 · Max und die Strecken

Max ist der Grund, warum wir uns nie verfahren. Abends fragt er, wohin wir morgen wollen, und am nächsten Morgen liegt eine Komoot-Strecke bereit, ohne dass wir darum gebeten haben. Der Hof liegt auf der Ciclovia Mantova–Peschiera im Parco del Mincio, genau dort, wo sich zwei EuroVelo-Routen kreuzen. Es gibt einen abschließbaren Radraum, eine Werkstattecke, eine Ladestation für die E-Bikes und Leihräder für den, der ohne gekommen ist. Man merkt, dass hier jemand selbst fährt.

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Die Küche öffnet Freitag- und Samstagabend und Sonntag zur Mittagszeit. Wir treffen den Freitag. Ich nehme coppa cotta nel Lambrusco mit Agrimostarda, danach agnoli in brodo — die mantovaner Pasta in klarer Brühe, die hier auf keiner Karte fehlt —, dann puntine vom Grill mit eingelegtem Gemüse. Filip und mein Papa wählen anders, und am Ende wandern die Teller über den Tisch, bis jeder alles probiert hat. Mehrere Gänge, nichts davon eilig.

— Primo: Agnoli in brodo
Agnoli in brodo. Die mantovaner Pasta, die hier auf keiner Karte fehlt.
— Secondo: Puntine vom Grill
Puntine di maiale, dazu Giardiniera. Der Freitag lohnt die ganze Woche.
„Wir kommen morgens nie pünktlich los.
Das liegt an Saras Kuchen.“
— Notizbuch, zweiter Morgen

— 03 · Die Zimmer, und der Abschied

Die Zimmer sind groß und hell, jeden Tag frisch hergerichtet, als hätte jemand wirklich Zeit gehabt. Nach fünf staubigen Tagen auf dem Damm ist das mehr wert als jede Sternekategorie. Am letzten Morgen, bevor wir die Räder beladen, schneidet Sara uns ein letztes Stück Kuchen ab. Für die Strecke, sagt sie. Sie weiß es besser als wir.

Reservieren bei Sara und Max: Agriturismo Corte Casella, Via Gradaro 21, Bagnolo San Vito (MN), +39 342 7765236, agriturismocortecasella.com. Küche freitag- und samstagabends, sonntags zu Mittag — frag danach, es lohnt sich.